Im Tierpark

Der Fotograf Gerd Noack

Geschichte
Der Tierpark Berlin entstand aufgrund der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Zoologische Garten Berlin lag im britischen Sektor Berlins, daher fehlte der Hauptstadt der DDR eine eigene tiergärtnerische Einrichtung.
Gegründet wurde der Tierpark Berlin mit dem Berliner Magistratsbeschluss vom 27. August 1954. Nach der Grundsteinlegung am 30. November 1954 wurde der Tierpark in den Frühlingsmonaten 1955 von Aufbauhelfern des Nationalen Aufbauwerks aus Berlin und Umgebung aus dem Friedrichsfelder Schlosspark hergerichtet. Bei der Eröffnung des Tierparks durch den Ost-Berliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert und den Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, am 2. Juli 1955 konnten etwa 400 Tiere in 120 Arten besichtigt werden. Seit der Eröffnung haben mehr als 90 Millionen Besucher die Tierparktore passiert. Bis heute wuchs der Tierbestand auf über 10.000 Lebewesen in über 1000 Arten. Bereits in der Aufbauphase übernahm Heinrich Dathe die Leitung des Tierparks, die er bis zu seiner Zwangspensionierung 1990 innehatte. Bei seiner Eröffnung präsentierte sich der Tierpark seinen Besuchern auf einer Fläche von 60 Hektar, heute umfasst die Parkanlage 160 Hektar. Der Tierpark Berlin war Träger des Karl-Marx-Ordens und des Vaterländischen Verdienstordens in Silber.
Der anfängliche Tierbestand setzte sich aus einigen Einkäufen und vielen Spenden aus der Bevölkerung und von Betrieben der DDR zusammen. Aus vielen Zoos aus beiden Teilen Deutschlands und dem Ausland trafen Tierspenden ein. So bevölkerten bald Tiger aus Moskau, Maralhirsche aus Leningrad, Wisente aus dem Tierpark München-Hellabrunn und viele andere die teilweise noch provisorischen Unterkünfte.
Als Basis für den Aufbau des Tierparks diente der von Peter Joseph Lenné 1821 umgestaltete Landschaftspark auf dem Parkgelände des Schlosses Friedrichsfelde. In den Folgejahren wurde der Tierpark kontinuierlich erweitert, fast jährlich wurden neue Tieranlagen gebaut. Die Felsenanlagen für Bären und die großen Freisichtgehege machten dabei den Anfang. In jenen Anfangsjahren prägte sich der Charakter des Tierparks als weitläufige Parkanlage mit zoologischem Anspruch.
Eingeschneite Löwenstatue vor dem Alfred-Brehm-Haus
1958 wurde der Wirtschaftshof des Tierparks ausgebaut. Im selben Jahr erhielt der Tierpark die Panda-Bärin „Chi-Chi“. Die Inbetriebnahme des Heizhauses erfolgte im Jahr 1961 und war ein wichtiger Punkt im Ausbau der Infrastruktur des Tierparks. Mit der Eröffnung des nach Alfred Brehm benannten Raubtierhauses und der Cafeteria im Jahr 1963 war die Topographie des Tierparkes für lange Zeit weitestgehend festgelegt. Erst mit dem Bau des Dickhäuterhauses, das 1989 fertiggestellt wurde, und mit der Erschließung weiterer Tierparkflächen für die Besucher ab Mitte der 1990er-Jahre musste der Lageplan grundlegend überarbeitet werden.
Das Verwaltungsgebäude wurde 1969 vollendet, und 1973 bekam der Tierpark einen eigenen U-Bahn-Anschluss durch die damalige Linie E, die heutige U5. 1974 wurde der Karl-Foerster-Garten im Tierpark eröffnet. Zwei Jahre später wurde dann auch der provisorische Eingang am Bärenschaufenster durch den heutigen Haupteingang ersetzt. 1981 wurde das restaurierte Schloss Friedrichsfelde erstmals geöffnet, und 1986 wurde das neue Terrassen-Café eröffnet, das heute unter anderem der Veranstaltungsort für die jährlichen Pfingst- und andere Konzerte ist.
Pflanzengruppe im Karl-Foerster-Garten
Nach dem Fall der Mauer wurde 1990 dem 80 Jahre alten Direktor des Tierparks, Heinrich Dathe, die Leitung entzogen, da der Einigungsvertrag eine Übernahme von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes über 60 Jahren nicht zuließ. Erstmals stellte sich damals die Frage, ob Berlin zwei Zoologische Gärten brauche oder ob man den Tierpark schließen solle. Diese Diskussion wurde in der Berliner Landespolitik regelmäßig wieder aufgegriffen. Die Schließungsdiskussion kam 1991 nach der Berufung des Zoologen Dr. Bernhard Blaszkiewitz als Direktor des nach der Wiedervereinigung Berlins von einer Körperschaft in die Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH umgewandelten Tierparks Berlin zum Erliegen.
Die im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands begonnene Kooperation zwischen dem seit 1841 als Aktiengesellschaft bestehenden Zoologischen Garten Berlin („Zoologischer Garten Berlin AG“, abgekürzt „Zoo Berlin AG“) und der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH wurde zunehmend intensiviert.
1994 zeigte der Tierpark erstmalig in Deutschland für einige Wochen zwei Queensland-Koalas: Dinki-Di und Gidgee wurden für ihren Gastaufenthalt in einer Vitrine im Alfred-Brehm-Haus untergebracht.